fernseher-abschaffenFünf Stunden pro Tag sitzen die Leute hierzulande im Durchschnitt vor dem Fernseher. Den meisten Menschen geht es so, dass sie vor dem Fernseher “kleben” bleiben, wenn die Sendung, wegen der sie eingeschaltet haben, schon längst vorbei ist und gar nichts interessantes mehr kommt. Man zappt ein paar Mal durch, bleibt mal hier hängen und mal da, und schnell sind einige Stunden um.

Später fragt man sich, wo die ganze Zeit geblieben ist. “Vor dem Fernseher” könnte die Antwort sein. Wie wichtig ist uns Fernsehen? Wie wichtig sind uns die Sendungen, die wir dort ansehen? Gibt es irgendeine darunter, auf die wir nicht verzichten könnten? So gefragt, stellen viele Leute fest, dass ihnen die einzelnen Sendungen gar nicht so wichtig sind. Dass wir fernsehen, hat andere Gründe.

Alte Menschen sehen am meisten fern. Sie sind oft einsam und der Fernseher leistet ihnen Gesellschaft – zumindest scheinbar. Fernsehen lullt ein, man muss nicht nachdenken, man wird unterhalten. Mit Fernsehen ist man nie fertig. Faktisch zementiert Fernsehen unsere Einsamkeit. Fernsehen isoliert, Fernsehen macht passiv.

Viele Menschen gehen acht Stunden am Tag arbeiten, plus eine Stunde Fahrt und eine Stunde Mittagspause, macht zehn. Plus eine Stunde, um sich morgens fertig zu machen, plus acht Stunden Schlaf, macht 19. Plus 5 Stunden vor dem Fernseher, macht 24. Nächster Tag.

Wenn man einen Tag mit Freund_innen verbracht, kann man danach oft sagen: Ja, das war ein schöner Tag, das hat sich gelohnt. Wird man das auch von einem durchschnittlichen Abend vor der Glotze sagen?

Ich habe seit Jahren keinen Fernseher mehr. Ich habe ihn nie vermisst. Das wahre Leben findet nicht in dieser Kiste statt, oder, wie Gil Scott-Heron sang, The Revolution Will Not Be Televised.

Foto: PJ R, CC-Lizenz.